Glyphosat

Die Verlängerung der Zulassung des herbiziden Wirkstoffes Glyphosat war stark umstritten. In einigen Regionen wird über den sofortigen oder schrittweisen Ausstieg aus der Anwendung nachgedacht.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat oder N-(Phosphonomethyl)glycin ist ein herbizider Wirkstoff. Er wurde in den 70ziger Jahren von Monsanto entwickelt und ist heute einer der am meisten verwendeten Herbizide. Da der Patentschutz ausgelaufen ist, wird das meiste Glyphosat heute von anderen Unternehmen produziert.

Die Wirkung von Glyphosat beruht auf der Blockierung des Shikimi-Zykluses, der bei fast allen grünen Pflanzen für die Synthese bestimmter aromatischer Aminosäuren verantwortlich ist. Die Pflanze kann diese nicht mehr produzieren und stirbt schnell ab. Das typische Bild einer mit Glyphosat behandelten Pflanze ist die gelbe Färbung, die durch das Verschwinden des Blattgrüns, welches ein eiweißähnlicher Stoff ist, entsteht. Da dieser Zyklus nur in Pflanzen (und einigen Mikroorganismen) vorkommt, ist der Wirkstoff in anderen Organismen wie Tiere einschließlich Menschen wirkungslos.

Später entwickelte Monsanto Kultur-Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent sind, da von ihnen ein anderer Stoffwechselzyklus verwendet wird. Diese Eigenschaft wurde mit gentechnischen Verfahren in die Pflanzen eingebracht. Da Glyphosat bei Monsanto unter dem Handelsnamen Round-UP verkauft wurde, heißen diese Sorten Round-Up Ready. Die Idee dahinter war, das man beim Anbau dieser Kulturpflanzen wie Soja, Mais, Raps, Baumwolle oder Zuckerüben keine anderen, giftigeren oder teureren Herbizide mehr benötigt, sondern eine Behandlung mit Glyphosat ausreicht, um den Bestand unkrautfrei zu bekommen. Dadurch soll es zu einer Abnahme der Herbizidanwendung kommen, was aber nicht immer nachweisbar ist. Da diese Kombination „resistentes Saatgut plus Glyphosat“ patentrechtlich geschützt ist, begibt sich der Landwirt in eine starke Abhängigkeit von Monsanto oder anderen Unternehmen, die dafür Lizenzen erworben haben. Das ist ein Kritikpunkt, trifft aber in Europa nicht zu, da diese GVO-Sorten gar nicht zugelassen sind.

Glyphosat ist wasserlöslich, wird also von tierischen Organismen nach einer Aufnahme schnell wieder ausgeschieden und nicht wie andere Wirkstoffe im Gewebe angereichert. Im Boden wird es schnell abgebaut, die Derivate sind relativ ungefährlich. Die Giftigkeit ist gering, es ist ungiftiger als z.B. Paracetamol, Aspirin, Koffein oder Nikotin.

Wofür wird Glyphosat verwendet?

Da der Wirkstoff auf alle (nichtresistenten)Pflanzen wirkt, gibt es zwei Hauptanwendungen in der Landwirtschaft:

Erstens zur Beseitigung aller grünen Pflanzen auf einer Fläche vor der Bestellung (Aussaat oder Pflanzung) mit der Kulturpflanze. Da die Kulturpflanze mit dem Wirkstoff nicht direkt in Berührung kommt, besteht nur ein sehr geringes Risiko, das in ihr Rückstände von Glyphosat gefunden werden.

Zweitens zur Abtötung der Kulturpflanze vor der Ernte, die sogenannte Sikkation. Das ist bei manchen Kulturpflanzen notwendig oder vorteilhaft, weil diese nicht gleichmäßig abreifen (z.B. Grasvermehrung, Raps, Ackerbohnen) oder weil die Kulturpflanzen zur Hauptfrucht noch später gebildete Nebentriebe hat, die zur Ernte ebenfalls noch unreife Früchte enthalten, der sogenannte Zwiewuchs. Das ist zum Beispiel bei Sommergerste als Braugerste ein Problem. Werden die grünen Körner aus dem Zwiewuchs mitgeerntet, so verschlechtern sie die Qualität des Erntegutes entscheidend, da sie noch sehr feucht sind und viel Eiweiß enthalten. Durch die Sikkation sterben sie ab, trocknen dadurch ab und können aus dem Erntegut herausgesiebt werden, da sie kleiner sind. Deshalb sind gerade im Bier oft Rückstände von Glyphosat zu finden.

Die Verwendung von glyphosathaltigen Herbiziden in der Landwirtschaft ist streng geregelt, wie bei allen Pflanzenschutzmitteln. Das Mittel darf nur dafür angewendet werden, wofür es ausdrücklich zugelassen ist (Indikation). Die Aufwandmenge und Konzentration sind genau geregelt und müssen nachprüfbar dokumentiert werden. Der Anwender muss einen Sachkundenachweis Pflanzenschutz besitzen und alle drei Jahre erneuern. Die eingesetzte Technik muss dafür zertifiziert sein und alle zwei Jahren zum Spritzen-TÜV. Deshalb ist das Risiko, dass der Wirkstoff irgendwo in gefährlicher Menge oder Konzentration auftaucht, fast Null.

Daneben wird Glyphosat auch außerhalb der Landwirtschaft eingesetzt: Die Deutsche Bahn als größter Verbraucher in Deutschland hält damit ihre Gleise und Anlagen unkrautfrei.

Kleingärtner, Grundstücksbesitzer, Hausmeister und andere Nutzer verwendet die Mittel, um gepflasterte Flächen wir Wege oder Höfe oder Parkplätze unkrautfrei zu halten. Dafür ist das Mittel aber gar nicht zugelassen. Einerseits wird oft mit einer viel zu hohen Konzentration gearbeitet, außerdem wird der Wirkstoff auf solchen Flächen nur langsam abgebaut. Kommt es nach dem Einsatz zu einem Regenschauer, nimmt das Regenwasser den Wirkstoff mit. Läuft das Wasser irgendwo zusammen (Kanal, Pfütze), dann hat man dort manchmal viel zu hohe Konzentrationen.

Was ist gefährlich am Einsatz von Glyphosat?

  1. Glyphosat ist (wahrscheinlich) krebserregend? Glyphosat wird seit fast 50 Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt und ist das am besten erforschte Pflanzenschutzmittel. Dabei wurden keine Zusammenhänge zwischen dem Einsatz von Glyphosat und dem Auftreten von Krebs festgestellt. Erst 2015 gab es Studien, die diesen Verdacht äußerten. Bis auf die IARC, die Internationale Agentur für Krebsforschung, wurden diese Studien aber als methodisch falsch, unwissenschaftlich und nicht belastbar eingestuft. Die IARC beauftragte unabhängige Gutachter, die dann empfahlen, Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend einzustufen. Später stellte sich heraus, dass ein Gutachter (Christopher J. Portier) gleichzeitig als Gutachter für Rechtsanwälte arbeitet, die Monsanto verklagt haben und Schadenersatz für erkrankte US-Amerikaner herausholen wollten. Damit war er befangen, durch seine Tätigkeit haben sich die Chancen der Kläger verbessert. Andere Einrichtungen wie die EFSA (Europäische Agentur), das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung oder die japanische Behörde kamen zu dem Schluss, dass sich an den Bewertungen nichts geändert hat und die Anwendung von Glyphosat kein erhöhtes Krebsrisiko darstellt.

  2. Glyphosat bringt die Landwirte in Abhängigkeit? Da ist was dran, wenn Glyphosat als Anbausystem mit resistenten Kulturpflanzen verkauft wird. Gibt es in Deutschland und in der EU aber nicht. Außerdem leben wir in einer arbeitsteiligen Marktwirtschaft, jeder Unternehmer ist abhängig von seinen Lieferanten und seinen Kunden.

  3. Glyphosat beeinträchtigt das Bodenleben? Da der Shikimi-Zyklus auch von einigen Mikroorganismen verwendet wird, ist eine Beeinträchtigung des Bodenlebens denkbar. Allerdings gibt es Langzeitstudien, die keinen Zusammenhang zeigen. So wurde in Neuseeland ein Acker 18 Jahre lang zwei Mal im Jahr (vor Soja und Weizen) mit je 3 kg Glyphosat behandelt. Zu einem daneben liegenden, unbehandelten und meistens brach liegenden Acker gab es keine auf Glyphosat zurückzuführenden Unterschiede im Bodenleben. Im Gegenteil: der Einsatz von Glyphosat ermöglicht Anbausysteme ohne Pflügen (Mulchsaat) oder ganz ohne Bodenbearbeitung (Direktsaat), die sich nachweislich sehr positiv auf Bodenleben, Humusgehalt und Bodenfruchtbarkeit auswirken.

  4. Glyphosat ist ein Pestizid und deshalb grundsätzlich abzulehnen? Hier muss man differenzieren. Es gibt Landwirte, die weitestgehend ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel arbeiten möchten. Das kann verschiedene Gründe haben und wird von den anderen, konventionellen Landwirten akzeptiert. Das ist der Ökologischer Landbau (ÖLB). Die meisten Öko-Landwirte akzeptieren auch die konventionelle Landwirtschaft. Es gibt einen fairen Wettbewerb zwischen den Anbausystemen und den Betrieben, man lernt voneinander.

Daneben gibt es aber auch NGOs, die mit der Verbreitung von Angst von gentechnisch veränderten Pflanzen und vor Pflanzenschutzmitteln, die sie dann gern als Pestizide (der englische Ausdruck für Pflanzenschutzmittel, klingt aber gefährlicher) oder Umweltgifte (klingt auch schön gefährlich) Geld verdienen, z.B. beim Sammeln von Spenden oder dem Akquirieren von Fördermitteln. Diese vereinfachen gern und ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse, selbst wenn sie vom BfR kommen, das von ihnen mal gefordert und gegründet wurde.

Welche Alternativen gibt es zu Glyphosat?

  1. Die Unkräuter werden nicht beseitigt: Damit sind dann enorme Mindererträge oder der völlige Ertragsausfall vorprogrammiert. Wer einen Garten hat, kann das ja mal ausprobieren: Säen sie in einer Ecke irgendwelche Kulturen (Radieschen, Möhren oder Bohnen) und lassen sie dann das Unkraut sprießen wie es will. Manche Landwirte legen sogenannte Nullparzellen an, an denen man dann das Fehlen des Pflanzenschutzes deutlich erkennen kann (Aktion Schau-Ins-Feld! https://www.iva.de/schau-ins-feld ).

  2. Die Unkräuter werden mit anderen Herbiziden beseitigt: Andere herbizide Wirkstoffe haben nicht diese Wirkungsbreite auf (fast) alle grünen Pflanzen, so dass mehrere Wirkstoffe kombiniert werden müssen. Außerdem sind sie giftiger, teurer, werden nicht so schnell abgebaut und haben Nebenwirkungen. Das wäre die schlechteste Alternative.

  3. Die Unkräuter werden mechanisch beseitigt, z.B. durch Pflügen oder mehrmaligem Grubbern Das wird im Ökologischen Landbau praktiziert, hat aber einige Nachteile. So dauert es länger. Damit können manchmal optimale Aussaattermin nicht eingehalten werden. So hat der Landwirt beim Anbau von Raps nach Weizen 2 bis 4 Wochen Zeit, die Unkräuter und den aufgelaufenen Ausfallraps zu beseitigen. Außerdem wird der Boden zu stark gelockert und beim Pflügen zusätzlich noch gewendet. Damit wird das Bodenleben gestört, es kommt zu viel Sauerstoff in den Boden, was zur Verbrennung des Humus führt, der Boden trocknet stärker aus und ist zur Aussaat eventuell zu locker, was zu Fahrspuren und einer schlechten Tiefenablage des Saatgutes führt. Für die mechanische Unkrautregulierung wird ein größerer Traktor mit mehr Leistung benötigt. Damit wird viel meh