CRISPR/CAS- Gentechnik oder nicht?

Sind neue Züchtungsverfahren wie CRISPR als Gentechnik einzustufen und fallen damit unter die strengen Regeln der EU und Deutschlands? Darüber wurde am 25. Juli vom EuGH entschieden. Leider auf populistischer und nicht auf wissenschaftlicher Basis.

Was ist CRISPR? In den Anfängen der Gentechnik wurde dann mit aus heutiger Sicht relativ grobschlächtiger Technik in die Gene eingegriffen. Vor allem das Einschleusen artfremder Gene, zum Beispiel aus Bakterien, in das Erbgut von Pflanzen ist kritisiert worden. Zu Recht, vor allem bei Pflanzenarten, die hier lebende wilde Verwandte haben wie Zuckerrüben entstehen Risiken, dass sich diese Veränderungen unkontrolliert in der Natur ausbreiten können. Deshalb ist deren Anbau in der EU verboten. Bei anderen Arten wie Mais oder Kartoffeln gibt es dieses Risiko nicht, trotzdem ist man vorsichtig und baut sie in Deutschland nicht an. Beim CRISP und anderen modernen Verfahren wird nichts Fremdes in die Gene der Pflanzen eingebracht, sondern in die vorhandene Genetik wird gezielt eingegriffen. Damit kann man dann Eigenschaften ausschalten, wie zu frühes Blühen beim Salat, oder Einschalten, wie Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge.

Nichts anderes, was man vorher und heute noch im Ökologischen Landbau versucht: durch Auslösen von Mutationen durch Strahlung, Chemikalien oder andere Mittel diese Änderung zufällig herbeiführen. Nur dass man jetzt nicht tausende Pflanzen „behandeln“ und anschließend testen muss, ob diese Genänderung eingetreten ist, sondern jetzt gezielt und direkt Einfluss nehmen kann. Im Ergebnis kann man diese Pflanzen nicht von klassischen Mutationszüchtungen unterscheiden, da keine Marker oder pflanzenfremde Gene gefunden werden.

Deshalb gibt aus Sicht der meisten Wissenschaftler und Verbände gar keinen Grund, das zu verbieten, außer man möchte die einheimischen Züchtungsunternehmen vertreiben und die deutschen bzw. europäischen Landwirte weiter gegenüber dem Weltmarkt, dem wir weitestgehend ungeschützt ausgesetzt sind, benachteiligen.

Wobei die Angst vor Genen in der Nahrung auch ein typisch europäisches und besonders deutsches Problem ist. Im Gegenteil, für die hungernden oder mangelversorgten Menschen in weiten Teilen der Welt ist die moderne Gentechnik eine große Hoffnung. Zur Beruhigung: in jedem organischen Lebensmittel sind Gene. Da Gene Eiweiße sind, werden sie in der Verdauung in Aminosäuren zerlegt und in den eigenen Körper eingebaut. Dabei ist es völlig egal, aus welchem Eiweiß diese Aminosäuren stammen. Die Angst vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln wurde von NGOs erfunden, da sie sehr gut kampagnenfähig ist. Gene sind schön diffus, kaum jemand versteht es richtig, aus Horrorfilmen kennt man manipulierte Monster, sie wurde von großen amerikanischen Konzernen vorangetrieben (Kapitalismuskritik) – perfekt für Angstkampagnen und zum Spendensammeln. Dass das vielleicht nicht richtig und übertrieben war, zeigt sich heute bei Bündniss90/Die Grünen, hier wird die Einstellung zur Gentechnik inzwischen hinterfragt und parteiintern diskutiert.

Dazu passt auch die Aussage, das die Mehrheit der Menschen gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnt. Das ist zum einen das Ergebnis des jahrelangen Aufbauens von Angst und Einreden von Gefahren, zu anderen liegt das an den Fragestellungen in diesen Umfragen. Die Fragen sind suggestiv, die Möglichkeit der Bejahung von Gentechnik kommt gar nicht vor oder wird so negativ formuliert, dass das sich kaum jemand traut anzukreuzen. Und was solche Umfragen Wert sind kennen wir ja: Fast jeder behauptet, das er regionale, umweltverträglich und tiergerecht produzierte Lebensmittel kaufen möchte, aber an der Ladentheke greift er dann doch meistens das billigste Produkt.

Alles, was wir heute an Kulturpflanzen und Zuchttieren essen, ist genetisch verändert. Gezielte Kreuzungen und Bastardisierungen, Ausnutzen zufälliger oder induzierter Mutationen – das nennt man Züchtung.

Seltsam ist auch, dass wir Angst haben sollen vor veränderten Genen in Lebensmittel, aber vor solchen in Medikamenten nicht. Jeder Diabetiker spritzt sich Insulin, welches von gentechnisch veränderten Hefen oder Bakterien hergestellt wird, direkt in den Körper. Damit werden diese Gen-Eiweiße direkt in den Körper eingebracht. Und Achtung Biertrinker: Die Hefen beim Bierbrauen sind alle genetisch verändert!